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Legends

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Legends-Roman!

Für Autoren, die sich für Trilogien entschieden haben, stellt der zweite Teil von drei für gewöhnlich eine große Herausforderung dar. Es ist alles andere als einfach, nicht bloß eine Überleitung von Teil Eins zu Teil Drei zu schreiben, sondern eine spannende Geschichte mit eigenem Handlungsbogen, die wichtig genug für einen eigenen Roman ist, aber trotzdem nichts vom Ende vorwegnimmt, sondern eher noch zusätzliche Spannung aufbaut.

Heute möchte ich für euch „Die Dunkle Seite der Macht“ rezensieren. Wie immer, zuerst einmal die wichtigsten Fakten:

Coverdie dunkle seite der macht

Deutsches Cover

  • Star Wars: Die Dunkle Seite der Macht wurde von Timothy Zahn geschrieben und im Mai 1992 bei Bantam Spectra in den USA erst-veröffentlicht. Die Auflage, die ich rezensieren werde, ist die vollständig überarbeitete Neuauflage, sprich die deutsche Jubiläumsausgabe.
  • Diese Version hat 544 Seiten und wurde von Thomas Ziegler übersetzt. Sie ist seit 17. November 2014 für 9,99 € (Preisempfehlung des Verlags) bei Blanvalet in Deutschland erhältlich.

Und bevor es losgeht - für diejenigen, die meinen Rezensionsstil noch nicht kennen: fahrt mit eurem Cursor über das Bild, um alles Wichtige zu erfahren:

Schmugglerschiffe
Aufbau meiner Rezension/Bewertungskriterien

Kriterium

  • Story
  • Relevanz
  • Leseerlebnis
  • Sprache
  • Schlüssigkeit
  • Zusatzpunkte
Maximale Punktzahl
  • 20
  • 15
  • 30
  • 15
  • 10
  • 10
Maximale Gesamtpunktzahl
100
Die Story
Die dunkle Seite der Macht Jubiläumsausgabe

Das Cover der Jubiläumsausgabe ähnelt stark dem Cover von Erben des Imperiums, welches ich hier rezensiert habe. Anstatt des imperialen Logos gibt es dieses Mal das Symbol der Rebellen-Allianz zu sehen, von dem ein braun-roter Farbverlauf ausgeht. Auch wenn der Satz „Der Imperator ist tot, doch das Imperium lebt“ dieses Mal wenigstens der Wahrheit entspricht, ist die Inhaltsangabe erneut etwas von der eigentlichen Handlung entfernt. Sie lässt vermuten, dass es im Buch hauptsächlich um das Volk der Noghri geht, „das nur eine Chance hat, sich vom Imperium zu lösen - den eigenen Untergang“. Zugegeben, die Noghri sind kein unwesentlicher Teil der Handlung, doch im Vordergrund steht eigentlich, wie der Titel schon sagt, „die dunkle Seite der Macht“, auf die ich in der Handlungsbeschreibung eingehen werde.

Das eigentliche Werk beginnt wieder mit der Blanvalet-Übersichtsseite und der Roman-Timeline; interessanterweise fehlt die Widmung. Danach folgt der eigentliche Handlungsteil und auf den letzten Seiten ist noch Werbung für Glücksritter, Feuerprobe und den Verlag.

Die dunkle Seite der Macht knüpft direkt an das Ende von Erben des Imperiums an: der Sternenzerstörer Thrawns schwebt über dem Orbit Myrkrs und zwingt den Schmuggler Talon Karrde samt Gehilfin und heimlichen Hand des Imperators Mara Jade zur Flucht, während sich Luke und Lando auf den Sluis-Van-Raumwerften, wo gegen Ende des ersten Bandes eine gewaltige Schlacht tobte, aufhalten. Sie treffen dort auf einen neuen Hauptcharakter, den Raumschiffsdieb Niles Ferrier. Nach einer kurzen Konfliktsituation mit ihm machen sie sich auf den Weg nach Coruscant, wo die Großen Drei (Han, Luke und Leia) endlich wieder aufeinander treffen. Ihr Wiedersehen währt jedoch nicht lange und schon bald teilt sich die Handlung in mehrere Stränge: Luke entscheidet sich dazu, den mysteriösen Jedi Joruus C'Baoth aufzusuchen, während Leia gemeinsam mit Chewie ihrem Versprechen an den Noghri Khabarakh, mit ihm zu seiner Heimatwelt zu fliegen und seinem Volk zu helfen, aus dem ersten Teil nachkommt. Han und Lando ermitteln währenddessen gegen das bothanische Ratsmitglied Borsk Fey'lya, das erfolgreich Admiral Ackbar diskreditieren konnte und möglicherweise einen Putsch innerhalb der Neuen Republik plant. Dabei treffen sie auf frühere Verbündete und erfahren von der geheimnisvollen Katana-Flotte, auch Dunkle Macht genannt, einer spurlos verschwundenen Flotte von 200 Dreadnoughts aus den Tagen der Alten Republik, die den momentanen Krieg zu Gunsten einer Partei wenden könnten. Mara, der Karrde anvertraut hat, dass er die Flotte wiederentdeckt hatte, gerät in eine Falle des Imperiums und liefert ihnen gezwungenermaßen ihren Vorgesetzten aus, um sich freizukaufen. Da sie dennoch aber Loyalität zu ihm empfindet, holt sie sich Luke zu Hilfe. Nach einer spektakulären Flucht treffen sie auf Coruscant die Leiá, Han und Lando wieder und berichten dem Rat von der Flotte. Talon verrät den Aufenthaltspunkt der Dunklen Macht und die Helden brechen auf, um sie zu bergen. Doch auch das Imperium ist auf dem Weg dorthin und ein erbitterter Wettkampf um die Dreadnoughts beginnt...

An der Story an sich kann man wirklich nichts aussetzen: durch den Einfall mit der Katana-Flotte hat es Zahn auf raffinierte Weise geschafft, die Entscheidungsschlacht zwischen Republik und Imperium hinauszuzögern und anstatt dessen den zweiten Band zu füllen. Daher gibt es von mir 20 von 20 Punkten.

Relevanz
Garm Bel Iblis DSM

Ein berühmter corellianischer Senator

Das Buch ist wirklich ein Juwel, wenn es darum geht, eine Verbindung zwischen all den später erschienen Legends-Romanreihen herzustellen. Die Vergangenheit der Noghri hängt mit einem Ereignis aus den Klonkriegen zusammen, C'Baoth war früher Mitglied im Extragalaktischen Flugprojekt, über das Zahn persönlich zwei Bücher gefüllt hat, und einige EU-Größen wie Garm Bel Iblis, oder die Renegaten-Staffel feiern wichtige Auftritte. Dann hätten wir noch das Thema Klone, welches über das Buch hinaus noch eine wichtige Rolle spielen wird. Wie ihr seht, kann ich auch hier getrost 15 von 15 Punkten vergeben.

Leseerlebnis

Ich muss hier leider etwas meckern: zum einen ist da das Thema Spannung. Ja, das Buch ist sehr flüssig geschrieben, lässt seine Charaktere lebendig werden und schafft eine passende Atmosphäre. Jedoch vermisse ich nach wie vor etwas, das mich zum Lesen FESSELT, denn bisher ist das mehr so: „Oh, sie sind vierzig zu eins unterlegen? Naja, sie werden schon einen Ausweg finden. Tun sie doch immer. Und Luke darf ja eh nicht sterben...“ Daher konnte ich das Buch leider allzu leicht aus der Hand legen und wenn ich mich doch mal wieder dazu gezwungen habe, weiterzulesen, fiel mir der Einstieg sehr schwer, was mich direkt zum nächsten Kritikpunkt bringt. An sich mag ich ein komplexes Handlungsschema und viele, parallel laufende Stränge sehr. Das macht es möglich, jede der Hauptpersonen zu begleiten und nicht bei einem Spezifischen zu verweilen und das wäre der ultimative Todesstoß für ein Buch, in dem jeder der berühmten Protagonisten wichtig ist. Allerdings wurde es mir bei Die Dunkle Seite der Macht dann doch etwas diffus und unüberschaubar. Ich bin nicht so der Fan davon, immer wieder mehrere Seiten zurückblättern zu müssen und selbst das ist nicht ohne Weiteres möglich, denn man muss erstmal die richtige Szene aus dem ganzen Wirrwarr herausfiltern. Meine Rettung war unser Jedipedia-Artikel zu dem Buch - ja, ein bisschen Eigenwerbung muss sein! - bei dem der Ersteller zur Abwechslung mal nicht chronologisch, sondern dafür Handlungsstrang für Handlungsstrang vorgegangen ist und so die Zusammenhänge einfach und verständlich herausgearbeitet hat. Auch die Comic-Version, aus der die meisten Bilder auf dieser Seite sind, war sehr hilfreich. Bei diesem Punkt kann ich daher nur 20 von 30 Punkten vergeben.

Sprache

Ehrlich gesagt ist mir beim Lesen nichts Positives, aber auch nichts Negatives aufgefallen. Daher gebe ich dem Buch hier mal 10 von 15 Punkten.

Schlüssigkeit
Niles Ferrier

Der Raumschiffsdieb Niles Ferrier

Wirklich gelungen sind erneut die Beschreibungen der Charaktere - man fühlt sich mit ihnen verbunden und erkennt sie aus den Filmen wieder. Sogar mit den neu eingeführten Protagonisten kann man sich sehr gut identifizieren. Daraus ergibt sich jedoch ein Problem: da das Buch durchgehend immer mit den gleichen Charakteren arbeitet und deren Anzahl stark begrenzt ist, wirkt es komisch, wenn plötzlich eine Szene kommt, die ihren Fokus auf eine komplett neue Figur richtet, die abgesehen von dieser einen Seite aber nie wieder auftaucht. Thrawn als taktisches Genie zu erleben ist weiterhin sehr interessant, jedoch vermisse ich eine Weiterentwicklung seines Charakters. Die Entscheidung über C'Baoths Schicksal schiebt er das komplette Buch hinaus. Auch die literarische Vorstellung von Niles Ferrier fand ich seltsam: während alle anderen „Neuen“ bei ihrem ersten Auftritt auf eine aus den Filmen bekannte Figur treffen und diese Konfrontation auch direkt im Buch beschrieben wird, taucht Ferrier das erste Mal auf, als Lando ihn - wie aus dem Nichts - gegenüber Luke erwähnt, nachdem er ihn „erschnuppert“ hatte. Die Einbindung der Katana-Flotte in die Handlung fand ich im Gegensatz dazu sehr gelungen und glaubwürdig. Für die Schlüssigkeit vergebe ich unter Berücksichtigung positiver und negativer Aspekte 8 von 10 Punkten.

Zusatzpunkte

Leider wurde diese Auflage nicht vom Autor kommentiert wie Erben des Imperiums und enthält bis auf das Cover aus meiner Sicht auch nichts, was den Titel „Jubiläumsausgabe“ in besonderer Art und Weise rechtfertigt. Die Wendung „vollständig überarbeitet“ lässt vielleicht darauf schließen, dass immerhin sprachlich etwas getan wurde. Da es aber im Vergleich zu anderen Büchern (egal ob Star Wars oder nicht) mal ein wirklich gelungener zweiter Band einer Trilogie war, vergebe ich zwei Zusatzpunkte.

Abschließend kann man also feststellen, dass Die Dunkle Seite der Macht ein solides Buch ist, meine Euphorie über Teil Eins aber inzwischen nachgelassen hat. Ich freue mich jetzt jedenfalls auf den letzten Teil der Trilogie!

Timothy Zahns Star Wars: Die Dunkle Seite der Macht erhält von mir
7.5 von 10 Punkten!