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Legends

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Legends-Roman!

„Die galaktische Republik wird von Unruhen erschüttert. Die Besteuerung der Handelsrouten zu weit entfernten Sternen-Systemen ist der Auslöser. In der Hoffnung, die Angelegenheit durch eine Blockade mit mächtigen Kampfschiffen zu beseitigen, hat die unersättliche Handelsföderation jeglichen Transport zu dem kleinen Planeten Naboo eingestellt.
Während der Kongress der Republik endlose Debatten über diese beunruhigende Kette von Ereignissen führt, entsandte der Oberste Kanzler insgeheim zwei Jedi-Ritter, Wächter des Friedens und der Gerechtigkeit, um den Konflikt beizulegen...“

Spätestens mit der Produktion von Rogue One, einem Film, dessen Handlung auf dem Episode 4-Lauftext basiert, haben die Kreativen bei Lucasfilm wieder deutlich gemacht, dass der für Star Wars charakteristische Vorspann jede Menge Ansatzpunkte für Geschichten aus dem Erweiterten Universum bietet. Gerade vor der chronologisch ersten Star-Wars-Episode Die dunkle Bedrohung, die mitten in einer Krise beginnt, gibt es natürlich sehr viel Hintergrund zu erzählen. James Luceno, der im Fandom inzwischen dafür bekannt ist, mehrere Handlungsstränge geschickt miteinander verbinden zu können, hat sich gleich in mehreren seiner Werke daran gewagt, die unmittelbare Zeit vor E1 aus verschiedenen Blickwinkeln näher zu beleuchten und damit einige offene Fragen, die der Lauftext aufwirft, zu beantworten.

Heute möchte ich für euch einen seiner ersten Star-Wars-Romane, „Schleier der Täuschung“, rezensieren. Wie immer, zuerst einmal die wichtigsten Fakten:

Schleier der Täuschung

Deutsches Cover

  • Star Wars: Schleier der Täuschung wurde von James Luceno geschrieben und erschien im Mai 2001 bei Del Rey in den USA. Die Auflage, die ich rezensieren werde, ist die deutsche Erstveröffentlichung.
  • Diese Version hat 416 Seiten und wurde von Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo übersetzt. Sie ist seit dem 16. Januar 2012 für 14,00 € (Preisempfehlung des Verlags) bei Blanvalet in Deutschland erhältlich. (Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!)

Das Cover des Romans zeigt die Köpfe von Finis Valorum und Palpatine in nahezu klassischer Doppelhermform sowie Qui-Gon Jinn, dessen grüne Lichtschwertklinge die beiden voneinander trennt. Im Hintergrund ist die Skyline Coruscants während der Abenddämmerung zu erkennen. Die deutsche Inhaltsangabe weicht leider etwas von der eigentlichen Rahmenhandlung ab und ist sehr allgemein gehalten, ohne näher auf konkrete Ereignisse im Buch einzugehen.
Das eigentliche Werk beginnt mit der Blanvalet-Übersichtsseite und der Roman-Timeline; die Widmung gilt Lucenos Ehefrau. Die Handlung ist in die Akte „Dorvalla“, „Coruscant“, „Die äusseren Systeme“ und „Der innere Kreis“ sowie insgesamt 38 verschieden lange Kapitel untergliedert; auf der letzten Seite wird für Medstar - Unter Feuer geworben. Ungewöhnlich ist, dass der Roman einen eigenen Vorspann hat, der die aktuelle Situation der Galaktischen Republik und der Handelsföderation schildert.

Lott Dodd

Schleier der Täuschung spielt weniger als ein Jahr vor Die dunkle Bedrohung: Der Senat der Republik ist von Korruption und endlosen Debatten geprägt, während die rücksichtslose Handelsföderation immer mehr Einfluss auf die äußeren Systeme nimmt, was die Entstehung einer militanten Terroristengruppe provoziert. Die sogenannte Nebelfront lässt nichts unversucht, um die profitgierigen Konzerne wieder zu vertreiben und schreckt sogar vor einem Attentat auf den Obersten Kanzler Valorum, das der Jedi Qui-Gon Jinn im letzten Augenblick verhindern kann, nicht zurück. Auf den Vorschlag seines engen Vertrauten hin, dem Senator Palpatine von Naboo, ruft Valorum in seinem verzweifelten Bemühen, den Senat nicht handlungsunfähig werden zu lassen, eine Konferenz auf Eriadu ein, auf der alle Parteien gemeinsam eine Lösung suchen sollen. Er ahnt jedoch nicht, dass hinter den Kulissen der Sith-Lord Darth Sidious bereits die Fäden für seinen bevorstehenden Untergang zieht...

Wie schon in der Einleitung erwähnt, zeigt sich auch hier wieder Lucenos Talent, mehrere Handlungsstränge parallel laufen zu lassen und diese geschickt miteinander zu verknüpfen. Es gibt praktisch keine „Füllerszenen“, sondern jede Interaktion der Charaktere bringt die Story voran, sodass das Buch eine schöne Dynamik entwickelt. Da es hauptsächlich um politische und wirtschaftliche Verflechtungen geht, darf man sich aber nicht allzu viel Spannung erhoffen und auch die wenigen Actionszenen wirken dann doch irgendwie leicht fehl am Platz. Wenn Personen, die in den Filmen noch auftauchen, sich in Gefahr begeben, ist der Ausgang ohnehin nicht überraschend. (Story: 15/20 Punkten)

Sprachlich betrachtet legt der Autor viel Wert auf Einzelheiten, wodurch er leider die Kampfszenen zu langatmig erscheinen lässt, und Erlebte Rede zur Beschreibung von Hintergründen. Allerdings gelingt ihm eine abwechslungsreiche Gestaltung, indem er oft die Perspektiven wechselt und dabei auch seinen Charakteren treu bleibt. (Sprache: 13/15 Punkten)

Kanzler Finis Valorum

Das Herausragende an dem Roman ist jedoch seine Bedeutung für den Kanon: Auch wenn er inzwischen dem „Legends“-Universum angehört, trägt er unwahrscheinlich zum Verständnis von Episode I bei und schildert ungemein vielschichtig, wie die Ausgangslage des Films zustande kam. Wieso wird die Handelsföderation besteuert? Woher hat sie ihre Droidenarmee? Wer hatte die Idee zur Naboo-Blockade? - das sind nur ein paar der Fragen, die im Buch beantwortet werden. (Relevanz: 15/15 Punkten)

Da Luceno beim Verfassen auch noch Zugriff auf das Skript von Episode II – Angriff der Klonkrieger erhalten hat, baut er geschickt beinahe alle Gründungsmitglieder der späteren Konföderation unabhängiger Systeme daraus ein. Lobenswert sind auch die vielen Referenzen zu anderen EU-Werken, wodurch der Eindruck eines kontinuierlichen Star-Wars-Universums erhalten bleibt. Gefallen hat mir zudem, dass Charaktere aus den Filmen wie Gunray, Palpatine oder Qui-Gon absoluten Wiedererkennungswert haben und man sie sich beim Lesen bildlich vorstellen kann. Gerade bei den Palpatine-/Sidious-Szenen brilliert Luceno mit seiner deutlichen Differenzierung beider Persönlichkeiten und den dennoch geschickten Andeutungen über eine mögliche Verbindung zwischen den beiden ;-) Darüber hinaus wird der innere Konflikt Valorums, der im Film eher in den Hintergrund gerät, zwischen seinen Prinzipien und den Forderungen seiner Kollegen plausibel dargestellt und man entwickelt Sympathien für ihn aufgrund seiner unvorteilhaften Position als Sidious' Marionette. Etwas schade fand ich die Unverwundbarkeit einer bestimmten (nicht-machtsensitiven!) Figur, die gleich drei tödliche Szenarien überlebt hat. Was mich persönlich zwar nicht weiter gestört hat, aber für viele wahrscheinlich ein Problem sein wird, ist die eher unwichtige Rolle der Jedi in dem Buch: Für die Handlung ist eigentlich nur Qui-Gon entscheidend und der verbringt die meiste Zeit damit, mit dem Hohen Rat zu streiten oder jemanden retten zu müssen, während er nicht müde wird, Obi-Wan irgendwelche Jedi-Sprüche aufsagen zu lassen.(Schlüssigkeit+Leseerlebnis: 35/40 Punkten)

Insgesamt ist Schleier der Täuschung ein solider Roman, der besonders für Leser geeignet ist, die eine flüssige Handlung und tiefgehende Debatten über Wirtschaftspolitik der Action und Spannung anderer Werke vorziehen. Nicht unbedingt für Ersteinsteiger empfohlen, bemüht sich Luceno mit zahlreichen Easter-Eggs und Cameo-Auftritten bekannter Figuren, vor allem die Hardcore-Fans zufrieden zu stellen. Dies gelingt ihm aber eindrucksvoll, indem er Brücken zu Werken anderer Autoren aus derselben Epoche wie die Jedi-Padawan-Reihe schlägt oder sich in seinen eigenen (teilweise späteren) Romanen auf die Handlung des Buches bezieht. Positiv überrascht hat mich auch die reale Aktualität mancher darin vorkommenden Themen wie die unterschiedlichen Strategien zum Umgang mit radikalen Splittergruppen und Lobbyismus. (+2 Zusatzpunkte)
Vor allem eine Botschaft wird dabei vermittelt: Nicht alle Terroristen haben immer dieselben Ziele, wodurch ihre Gruppe unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist.

James Lucenos Star Wars: Schleier der Täuschung erhält von mir
8.0 von 10 Punkten!

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