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Kanon

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf ein Kanon-Buch!

Canto Bight Guests


„Die einzige Herausforderung auf Cantonica besteht darin, einen Weg zu finden, wie man hierbleiben kann.“

Dieses geflügelte Wort, das in Canto Bight unter den weniger Wohlhabenden gang und gäbe ist, zieht sich in der ein oder anderen Art wie ein roter Faden durch die vier Geschichten der Kurzgeschichtensammlung „Canto Bight“. Die Protagonisten dieser „Kurzgeschichten“, die ich aufgrund ihrer tiefergehenden Handlung und ihrer Länge von jeweils rund hundert Seiten wie im Englischen eher als „Novellen“ bezeichnen würden, haben nämlich alle miteinander gemein, dass sie gegen die aristokratische Elite der Stadt um ihr Überleben ankämpfen müssen und dabei Abenteuer erleben, die sie nie vergessen werden.

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Kedpin (vorne), Sturg Ganna (liegt links) und Lexo (hinter Kedpin)

Die erste Geschichte wurde von Saladin Ahmed geschrieben und heißt „Die Regeln des Spiels“. In ihr begleitet man den tollpatschigen Vaporatoren-Verkäufer Kedpin Shoklop, der bei einem firmeninternen Gewinnspiel eine All-Inklusive-Reise nach Cantonica gewonnen hat. Kaum hat er den Raumhafen verlassen, fällt er auch schon auf jede Touristen-Falle rein, die es gibt, und es dauert nicht lange, bis sein Gepäck gestohlen wurde und er unfreiwillig in einem… naja, sagen wir mal „Fetisch-Etablissement“ landet. Durch sein trotteliges Verhalten erregt er die Aufmerksamkeit eines Söldners, der für eine Gang einen korrupten Polizisten töten soll. Sein Plan besteht darin, einen naiven Kurier zu finden, der für ihn eine winzige Bombe ins Polizeidezernat schmuggelt, sodass er seine Zielperson per Fernsteuerung umbringen kann. Und da kommt ihm Kedpin natürlich gerade recht…

Kommentar: Insgesamt fand ich die Story etwas kitschig und sehr vorhersehbar, aber durch den Jar-Jar-artigen Protagonisten, der auf jede Lebenssituation seine Verkäuferweisheiten anzuwenden versucht, auch ganz spaßig zu lesen. Die Mini-Bombe hat mich an die Nanodroiden aus der TCW-Folge Verdachtsmomente erinnert. Schließlich sei noch erwähnt, dass mir der Titel der Geschichte etwas unpassend erscheint.

Genau wie die erste Geschichte wurde auch Geschichte Nummer Zwei „Der Wein in Träumen“ von einem Star-Wars-Autoren-Neuling verfasst, nämlich von Mira Grant. Sie handelt von der berühmten Sommelier Derla Pidys, die für ihre hochkarätigen Kunden die Galaxis auf der Suche nach den exquisitesten Weinen durchstreift, und in Ubialla Gheals Nachtklub ein Treffen mit den berüchtigten Grammus-Zwillingsschwestern arrangiert hat. Diese seltsamen Wesen behaupten aus einer anderen Dimension zu stammen und verfügen angeblich über einen Wein, der — ähnlich wie der Spiegel Nerhegeb aus Harry Potter — den Lieblingsgeschmack jedes Trinkers treffen soll, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Um ihren Ruf nicht zu verlieren, ist Pidys bereit, einiges auf sich zu nehmen, um an eine Flasche zu kommen, so auch eine Auseinandersetzung mit der gewaltbereiten, unberechenbaren Besitzerin des Nachtklubs, die sich ungefragt in die Kaufverhandlungen einmischt. Und dann gibt es da noch die Hotel-Rezeptionistin Calla, die als „lebendiges Souvenir“ in die Leibeigenschaft der Grammus-Schwestern geraten ist…

Kommentar: Von den vier Novellen hat mir „Der Wein in Träumen“ am besten gefallen, da die Geschichte am außergewöhnlichsten ist. Die Grammus-Schwestern haben mich fasziniert und ich war wirklich begierig darauf, mehr über sie zu erfahren. Durch ihr seltsames Verhalten und ihre verworrene Redeweise (ähnlich wie die Gree aus SWTOR) bleiben sie stets unberechenbar und man fiebert nervös mit Calla mit. Das Setting im Casino weist große Parallelen zu einem typischen Heist-Movie auf und bleibt spannend bis zum Schluss. Dem tut auch keinen Abbruch, dass es ständig um Weine und Spirituosen geht. Man kann diese Story auch genießen, ohne ein großer Kenner sein zu müssen.

Die dritte Geschichte „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ stammt aus der Feder von Rae Carson, die auch den Solo-Roman Meistgesucht geschrieben hat. Der Titel ist eine Anspielung auf die aus einem japanischen Sprichwort stammenden Drei Affen, die ihr inzwischen auch auf eurem Smartphone in der Emoji-Galerie finden könnt. Sie stehen für den Umgang mit Schlechtem und sind das Motto des Masseurs Lexo Sooger, dessen geschwätzige Kunden ihn oftmals in schmutzige Geheimnisse einweihen. Dieses Wissen möchte sich der Gangster-Boss Sturg Ganna zunutze machen, weswegen er Soogers Adoptivtochter entführt, um ihn gefügig zu machen. Verzweifelt sucht Sooger Hilfe bei einer politischen Rivalin Gannas und muss für Lulas Rettung über Leichen gehen…

Kommentar: Die Geschichte hat mich aus denselben Gründen wie die erste ähnlich wenig begeistert. Das Grundkonzept „Muskelprotz mit düsterer Vergangenheit rettet wehrloses unschuldiges Wesen“ ist schließlich auch gleich. Während „Die Regeln des Spiels“ sich mehr auf die Unterschicht-Kriminalität konzentriert, kriegt man bei den drei Affen halt einen Einblick in die zwielichtigen Machenschaften der Wohlhabenden und ihre Rüstungsdeals. Immerhin sind die geheimen Fähigkeiten von Lexos Spezies noch ganz interessant, ebenso dass ein Teil der Handlung auf der Yacht spielt, die man in Episode VIII – Die letzten Jedi kurz sehen kann. Allerdings kann ich Lexos finale Entscheidung, in Canto Bight zu bleiben, nicht nachvollziehen — das passt nicht zu dem Charakterbild, welches zuvor etabliert wurde.
Suertons

Die Suerton-Brüder

Die letzte Geschichte „Der Ritt“ wurde vom „Star-Wars-Veteranen“ John Jackson Miller geschrieben, der bereits zu Legends-Zeiten ordentlich aktiv war. Die Hauptfigur Kaljach Sonmi arbeitet im Canto-Casino als vom Haus bezahlter Kartenspieler, der die Gäste zum Spielen bringen soll. Er steht kurz davor, den großen Jackpot zu gewinnen, als seine Glückssträhne plötzlich reißt und drei seltsame Brüder auftauchen, an die er sein gesamtes Vermögen verliert. Ausgerechnet jetzt will sein krimineller Gläubiger Schulden bei ihm eintreiben. Kal hat eine Nacht Zeit, um an 800.000 Cantocoins zu kommen, andernfalls geht es ihm an den Kragen. Ihm bleibt also nichts anderes übrig, als sich den drei Brüdern anzuschließen, denen das Glück scheinbar in den Schoß fällt, und gegen seinen Verstand alles aufs Spiel zu setzen…

Kommentar: Was diese Geschichte auf den ersten Blick von den anderen drei unterscheidet, ist die Benennung der einzelnen Kapiteln mit Begriffen aus der Glücksspielwelt (z.B. „Buy-In“), die in Fußnoten für den Laien erklärt werden. Für meinen Geschmack hätte das jetzt nicht unbedingt sein müssen, da die Begriffe den Inhalt des Kapitels etwas spoilern und das Nachlesen der Fußnoten den Lesefluss unterbricht. Davon abgesehen hat mich „Der Ritt“ sehr unterhalten; das Countdown-Element der Schuldenfrist sorgt für Spannung und genau wie der Protagonist schüttelt man selbst ungläubig den Kopf über das „System“ hinter den drei Brüdern. Der Autor hat jedoch gut daran getan, nicht alles aufzulösen, sodass man sich auch nach Beendigung der Story noch fragt, inwiefern die Macht da mit reingespielt hat.

Die Geschichten sind durch subtile Anspielungen organisch und nicht krampfhaft miteinander verbunden und manche Charaktere haben auch kleine Cameoauftritte außerhalb „ihrer“ Geschichte — einen übergeordneten, alles umfassenden Handlungsbogen wird man jedoch vergeblich suchen. Wie oben bereits angedeutet, ist das Setting, der Klassenkampf zwischen Gut und Böse, Arm und Reich, das einzige, was sich kontinuierlich durchzieht. Das ist einerseits gut, weil die Geschichten so auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Andererseits führt es auch dazu, dass ständig wiederholt werden muss, dass Canto Bights „Spielerparadies“ doch viel mehr eine „Spielerhölle“ ist, was schnell auf die Nerven geht.

Da das Buch ja als Merchandise für Episode VIII – Die letzten Jedi veröffentlicht wurde, kommt man um die Bewertung seiner Relevanz nicht umhin. Anders als zum Beispiel bei „Leia, Prinzessin von Alderaan“, welches die Figur Amilyn Holdo begreifbar macht, bleibt der Mehrwert von „Canto Bight“ für den Kinogänger eher gering. Man erfährt halt die Vorgeschichten von Personen, die auf der Bildfläche für paar Sekunden im Hintergrund auftauchen, und natürlich von der trügerischen Natur der Stadt, die aber auch in der Unterhaltung zwischen Rose und Finn offenbart wird.

Für mich bleibt „Canto Bight“ also ein Gimmick — ein solides Buch, welches man sich zum Zeitvertreib anschaffen kann und das Stimmung auf Episode 8 macht, einen darüber hinaus aber nicht sonderlich bereichern wird. Auch das Merkmal „Kurzgeschichtensammlung“ ist für mich kein Kauffaktor — da würde ich eher zum abwechslungsreicheren „Die Legenden von Luke Skywalker“ raten. Wer das Buch doch lesen möchte, dem lege ich diesen englischsprachigen Blog ans Herz. Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, ist es doch ganz schön, bei der Lektüre die einzelnen Personen vor Augen zu haben.

Canto-bight-cover

Englisches Cover


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Die Umfrage wurde am 14. Januar 2019 um 12:48 erstellt. Bisher haben 3 Nutzer abgestimmt.