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Legends

Hinweis: Diese Rezension bezieht sich auf einen Legends-Roman!

Han, Sie amüsieren mich fast so sehr wie meine Tänzerinnen.
— Jabba der Hutt

Gut ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass mit Solo: A Star Wars Story der zweite Star-Wars-Spin-off in den Kinos lief. Passend dazu habe ich die Han-Solo-Trilogie von A. C. Crispin in Angriff genommen und mit Band 1 gewissermaßen die „Legends-Variante“ des Films rezensiert und bei Band 2 dann beide miteinander verglichen. Mit der Rezension von Band 3 möchte ich nun das Kapitel „Solo“ vorerst abschließen.

Obwohl wieder ein großer Zeitsprung nach Band 2 erfolgte, war ich ganz überrascht, wie nahtlos an das vorherige Buch angeknüpft wurde. Wie an dessen Ende angekündigt wurde, machen Han und Chewbacca sich auf den Weg nach Bespin, um an einem vielversprechenden Sabacc-Turnier teilzunehmen. Nachdem das Glück ihm hold gewesen ist und er Lando Calrissian den Millennium Falken abjagen hat können, sieht Han sich bald am Höhepunkt seiner Schmugglerkarriere angelangt (worauf der deutsche Titel auch anspielt). Ein schnittiges Schiff, die Gunst der Desilijic-Hutts und die Anerkennung seiner Schmugglerfreunde auf Nar Shaddaa — was will man mehr? Wie immer sind es die Frauen, die den Casanova ins Verderben stürzen: Seine heiße Freundschaft Plus will plötzlich die Ehe und bei einem Abstecher zu Chewies Heimatwelt Kashyyyk erfährt er, dass seine alte Flamme Bria Tharen inzwischen ein großer Name in der Widerstandsbewegung gegen das Imperium ist und versucht, Bündnisse zwischen den unterschiedlichen Rebellengruppierungen zu schmieden. Bevor er sich also an jemanden bindet, der möglicherweise gar nicht mehr seine erste Wahl ist, nimmt er die Beine in den Hand und taucht mit Chewie und dem Falken für einige Zeit im Korporationssektor unter. Bria erfährt währenddessen zufällig von Lando, mit dem sie eine abenteuerliche Begegnung mit Boba Fett vereint, was aus Han geworden ist, den sie zuvor immer nur aus der Ferne beobachten konnte, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis „Romeo und Julia“ nach langer Trennung endlich wieder vereint sind. Gemeinsam wollen sie eine Mission wagen, die beiden sehr am Herzen liegt: nämlich die endgültige Zerschlagung der Sklaverei auf Ylesia, wo sie sich einst kennengelernt haben. Doch Han hat nicht damit gerechnet, dass Bria womöglich andere Ziele verfolgt…

Zu den einzelnen Charakteren gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen, denn es werden keine nennenswerten neuen Figuren eingeführt und bei den alten bleibt Crispin ihrer Linie treu. Daher nur ganz kurz, was mir jeweils aufgefallen ist:

Han und Jabba

Han und Jabba

  • Han als „König der Schmuggler“ zu bezeichnen finde ich etwas übertrieben. Und er würde das ähnlich sehen, glaube ich, denn da gibt es schon noch viel Luft nach oben. Alles in allem finde ich den englischen Buchtitel „Rebel Dawn“ (in etwa: „Das Erwachen der Rebellion“) passender.
  • Er ist immer noch ein hoffnungsloser Womanizer: Seine Charakterentwicklung besteht im Endeffekt daraus, dass er sich erst um den Finger wickeln lässt, dann nicht, dann wieder schon, dann nicht und ganz am Schluss hat er definitiv genug von den Frauen (bis ein paar Tage später Leia Organa kommt). Sein ständiges „Süße“ hier, „Süße“ dort nervt jedenfalls — hätte man sich nicht einen abwechslungsreicheren Kosenamen wie „mein Knuffel-Ewok“ ausdenken können (mich an dieser Stelle bitte nicht ernst nehmen)?
  • Die Anspielung ganz am Ende auf den Beginn der Trilogie, als Han für ein paar Waisen selbst zur Vaterfigur wird und sich entscheiden muss, ob er seinen „Mentor“ Garris Shrike kopiert oder weniger egoistisch handelt, hat mir gut gefallen.
  • Die Autorin hat es für mich nicht geschafft, Bria sympathisch zu machen. Während sie sich in Band 1 dem Patriarchat komplett unterworfen hat, ist sie in Band 3 zwar endlich emanzipiert, aber dafür eine brutale Fanatikerin. Mich persönlich hat geärgert, dass ihre Romanze mit Han schlussendlich ziemlich undramatisch ausging, was für mich eine vergeudete Chance darstellt. Man muss Crispin aber zugute halten, dass man sich erst im letzten Fünftel des Buches daran erinnert, als man von ihr durch eine Foreshadowing-Szene wirklich mit der Nase darauf gestoßen wird, dass sie auf die ein oder andere Weise noch für Leia aus dem Weg geräumt werden muss.
  • Lando Calrissian hat Han für meinen Geschmack den Falken viel zu bereitwillig überlassen — vor allem wenn man bedenkt, dass er das Schiff doch so toll fand und sich am Ende des Buches über einen viel kleineren Verlust wesentlich mehr aufregt. Auf der gemeinsamen Kreuzfahrt mit Bria und Boba Fett hat er aber eine gute Figur gemacht und was seine Beziehung zu Bria angeht: #Ehrenmann.
  • Die Ausarbeitung der Hutt-Charaktere ist für mich nach wie vor ein Highlight und diese Nebenhandlung wird noch interessanter, als die Schwarze Sonne sich einmischt.
  • Insgesamt werden sehr viele kleine Nebencharaktere aus den vorherigen Bänden wieder aufgegriffen. Da man gerade in Band 2 mit sehr vielen Schmugglernamen konfrontiert wurde, passiert es dann trotz kleiner Flashback-Einschübe schon mal, dass man nachschlagen muss, wer das gleich nochmal war.

Naturgemäß finden sich in „Der König der Schmuggler“ dieselben Stärken und Schwächen wieder, die ich bereits in den anderen Rezensionen angesprochen habe. Die Autorin hat einen einzigartigen Schreibstil, den ich etwas ironisch als „Star Wars erklärt für Dummies“ beschreiben würde. Das ist aber gar nicht unbedingt negativ gemeint, sondern halt einfach der Tatsache geschuldet, dass das Buch vor zwanzig Jahren geschrieben wurde, als das Star-Wars-Universum sowie der dazugehörige Kult noch wesentlich kleiner waren. Daher ist es völlig logisch, dass Crispin oft versucht, das Aussehen oder die Funktion von typisch Star-Wars-igen Sachen mit den Attributen von Gegenständen aus der Realität zu vergleichen, was manchmal in Form von für einen Roman eher untypischen Klammerungen umgesetzt wird. Man hat aber gemerkt, dass sie bei diesem Buch etwas experimentierfreudiger war.

Zum einen hat sie mitten im Buch plötzlich Hans Abenteuer im Korporationssektor als „Intermezzos“ gekennzeichnet, was ich etwas unnötig fand, denn es war einfach eine etwas lückenhafte Fortsetzung seines Handlungsstranges. Ich habe etwas recherchiert und es gibt wohl eine „Spin-off-Romanreihe“ namens „Han Solos Abenteuer“, die sich intensiv mit dieser Zeit auseinandersetzt. Das merkt man der Handlung aber nicht an, die kann ganz gut alleine stehen. Und unter Intermezzos verstehe ich halt Einschübe wie in „Aftermath“, bei denen man wirklich komplett aus der Handlung herausgerissen wird. Zum anderen hat sie in einer Szene, in der sehr viele Ereignisse simultan ablaufen, eine Art „Voice over“ geschaffen, was man eher aus der Bewegtbilder-Branche kennt. Dies ist aber wirklich gut geworden, da das meinem inneren Film ordentlich Dramatik verliehen und somit für einen „Wow-Effekt“ gesorgt hat.

Bei anderen Mängeln trifft die Autorin jedoch keine Schuld. In der deutschen E-Book-Version finden sich so viele, peinlich unnötige Rechtschreibfehler (z.B. „ihn“ und „in“ werden oft verwechselt), dass man das Gefühl hat, selbst in die Rolle des Korrektors zu schlüpfen. Außerdem sind viele kleinere Handlungselemente (schon innerhalb von Legends) nicht mehr kanonisch bzw. ausdrücklich widerlegt worden. Um zwei Beispiele zu nennen: Jabba regt sich furchtbar über das Baby seiner Tante auf und kann sich gar nicht vorstellen, selbst eines zu haben, wohingegen er im TCW-Pilotfilm, der zwanzig Jahre früher angesiedelt ist, bekanntlich Vater von Rotta ist. Außerdem wird behauptet, dass die Planetenoberfläche von Kashyyyk (unterhalb der gigantischen Bäume) so gefährlich sei, dass sich niemand dorthin traue — in Episode III – Die Rache der Sith findet dort aber mal eben eine Schlacht statt.

Insgesamt hat mich Crispin sehr beeindruckt, was ihr Handlungskonzept betrifft. Nach dem Lesen des ersten Bandes hatte ich den Ylesia-Handlungsbogen für vollständig abgeschlossen gehalten und war wirklich überrascht, dass sich damit dann doch eine ganze Trilogie ausfüllen ließ. Generell hat sie es geschafft, alle Handlungsstränge durchgängig weiter zu entwickeln und am Ende gelungen zusammen zu führen. So präsentieren sich die drei Bücher wirklich als eine eng miteinander verwobene Geschichte, die natürlich immer um den Hauptcharakter Han Solo rotiert.

Han und Chewie in der Mos Eisley Cantina

Han und Chewie kurz vor dem Treffen mit Luke und Obi-Wan

Auch hat sie die schwierige Aufgabe gemeistert, Hans komplette Lebensgeschichte bis zu seinem ersten Auftritt in Episode IV – Eine neue Hoffnung abzudecken. In einer Art Epilog hakt sie im letzten Band auch noch den Kesselflug ab und endet dann direkt, also wirklich direkt, vor Hans Begegnung mit Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi in Chalmuns Cantina auf Tatooine.

Zum Schluss möchte ich natürlich die Frage aller Fragen beantworten: Wäre es mir lieber gewesen, wenn Disney diese Trilogie verfilmt hätte anstatt des im Mai erschienenen Films?

Um ehrlich zu sein, nein. Und das heißt etwas, denn mir hat Solo: A Star Wars Story echt nicht gefallen. Aber Crispins Geschichte funktioniert, denke ich, nur in Buchform, da sie viel auf inneren Monologen, die die Motive der Charaktere für die Leser kenntlich machen, basiert und zu sehr als Biographie angelegt ist, um als Action-lastiger Blockbuster verkauft werden zu können. Während die Bücher bei allem, was Han und Chewie betrifft, meiner Meinung nach voraus sind, kann der Film bei mir immerhin mit seinen Darstellungen von Lando und Qi'ra, die für mich die bessere Bria ist, glänzen. Man muss natürlich hinzusagen, dass die Film-Version wohl ursprünglich auch als Mehrteiler angelegt war und vermutlich richtig in Fahrt gekommen wäre, wenn Darth Maul, ein paar Kopfgeldjäger und womöglich sogar Ben Kenobi noch hinzugestoßen wären. Da die Geschichten nun mal so unterschiedlich sind, kann ich die Trilogie als Ergänzung zum Film aber auf jeden Fall empfehlen.

Han Solo 3

Deutsches Cover

Bewerte „Der König der Schmuggler“ in Punkten:
 
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Die Umfrage wurde am 4. Dezember 2018 um 07:45 erstellt. Bisher haben 3 Nutzer abgestimmt.

Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich auf eure Meinung zum Buch in den Kommentaren!

Hier findet ihr weitere Blogs zum Thema „Solo“:

SOLO in der Jedipedia