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Kanon

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Kanon-Comic!

Star Wars war schon immer dafür bekannt, eine Mischung unterschiedlichster Genres zu sein, und genau das spricht vermutlich so viele Menschen an. Da die Filme jedoch hauptsächlich als Familien-Kino-Event ausgelegt waren, kamen die Horror-Fans bis auf einige Szenen mit Vader bisher eher zu kurz. Diese Lücke wurde dafür in der Legends-Literatur vor ein paar Jahren mit Joe Schreibers Romanen Der Todeskreuzer und Darth Scabrous in Angriff genommen, genau wie in einem TCW-Handlungsbogen und einigen düsteren Comics. Das Kanon-Comic-Crossover „Eine Allianz auf Zeit“ kombiniert alle diese Geschichten und sorgt gemeinsam mit der knalligen Dr. Aphra für eine ordentliche Wundertüte...

Die Story

Doctor Aphra 8

Luke, Aphra und die Königin

Nachdem Aphra in den Besitz eines uralten Jedi-Artefakts gekommen ist, benötigt sie die Hilfe der mächtigen Königin von Ktath'atn, um es zu reaktivieren. Diese gibt einmal im Jahr eine Audienz, bei der sie außergewöhnlichen Lebensformen einen Wunsch gewährt. Hier kommt Luke Skywalker ins Spiel, der immer noch auf der Suche nach einem Jedi-Meister ist, um in den Wegen der Macht unterrichtet zu werden. Aphra kann ihn daher überreden, gemeinsam mit ihr, 0-0-0, BT-1 und Black Krrsantan zur „schreienden“ Zitadelle zu reisen, wo er nach einer Demonstration seiner Fähigkeiten auch schnell die Aufmerksamkeit der Königin erregt. Doch wie üblich hat Aphra ihm einiges verschwiegen und ein harmloses Dinner mit ihrer Gastgeberin eskaliert schlagartig, als den beiden klar wird, dass sie die Hauptspeise sind...

Die Handlung von „Eine Allianz auf Zeit“ ist so verrückt und skurril, dass es schon wieder Spaß macht, den Comic zu lesen. Zum einen ist da die psychotische Königin, die mit der Hilfe von Symbionten (so gefährlich, dass sogar das Imperium Angst vor ihnen hat) ihr Volk unterworfen hat und sich von der Lebenskraft ihrer Untertanen ernährt. Im Laufe der Geschichte fallen immer mehr Hauptfiguren diesen Parasiten zum Opfer und verwandeln sich in blutrünstige Monster, was dem mordlustigen Triple-Zero (kein Witz!) einen kleinen Orgasmus beschert. Wie man sieht, gibt es also deutliche Parallelen zur Geonosianer-Königin Karina die Große und ihren Hirnwürmern. Schließlich erscheinen auch noch Leia Organa, Sana Starros und Han Solo, die Luke nach Ktath'an verfolgt haben, auf der Bildfläche und die Kämpfe arten nach einer kleinen improvisierten Not-OP richtig aus. Die Hierarchien und Allianzen ändern sich ständig, je nachdem welchen Wirt der Symbiont gerade vorzieht, und diese Splatter-Szenen werden umso grotesker durch den bitter-bösen schwarzen Humor der Killerdroiden sowie Aphras nonchalante Art. Zum anderen gibt es aber auch klassische Star-Wars-Elemente wie ein mit Gedankenkraft ausgetragener Kampf zwischen Gut und Böse, die Macht der Liebe und das Lernen einer wichtigen Lektion. „Eine Allianz auf Zeit“ schafft es also irgendwie trotz seiner unkonventionellen Abstecher noch „Star Wars“ zu sein — Cliffhanger am Ende inklusive.

Noch ein kleiner Hinweis zur Einordnung in den Kanon: Die Geschichte ist sowohl Teil der Star Wars- als auch der Doktor Aphra-Comicreihe. Um die Beziehungen mancher Personen zueinander und einige Anspielungen verstehen zu können, benötigt man Vorkenntnisse — aufgrund des isolierten Settings kann man der Handlung aber auch gut ohne folgen.

Artwork

Königin Ktath'atn

Die verrückte Königin

Der Comic wird stark dominiert von den Farben rot und blau, wodurch sich der blonde Luke mit seiner goldenen Jacke (gewagte Kombination!) natürlich gut vom Hintergrund absetzt. Man merkt leider an den Hauptcharakteren sehr, dass insgesamt drei unterschiedliche Zeichner am Werk sind — das sorgt zwar für Abwechslung, ist bei einem Sammelband aber schade, da die Kontinuität fehlt. Sehr gelungen finde ich die visuellen Anspielungen an andere große (irdische) Werke: Sei es die durchgedrehte Königin, deren Erscheinung stark an die Herzdame aus Alice im Wunderland erinnert, ihr Dementoren-artiges „Ess-Verhalten“ oder beim finalen Duell die „Hologramme“, die sich — untypischerweise für „Star Wars“, aber dafür wie in vielen anderen Sci-Fi-Blockbustern üblich — aus einzelnen Pixeln zusammensetzen. Insgesamt wurde der Horror-/Grusel-Vibe dadurch sehr gut an den Leser transportiert.

Fazit

„Eine Allianz auf Zeit“ ist definitiv eine ungewöhnliche Comic-Geschichte und vermutlich nicht für jeden Fan geeignet. Mir hat das Lesen aber genau wegen der Verrücktheit sehr viel Spaß gemacht und ich begrüße es, dass dadurch etwas frischer Wind in die Kanon-Comics gekommen ist.

Eine Allianz auf Zeit Softcover

Cover des deutschen Softcovers

Bewerte „Eine Allianz auf Zeit“ in Punkten:
 
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Die Umfrage wurde am 9. Juni 2018 um 15:52 erstellt. Bisher haben 1 Nutzer abgestimmt.

Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich auf eure Meinung zum Comic in den Kommentaren!